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ABDA wehrt sich gegen den AOK-Vorwurf des Rezeptbetrugs
22. August 2011

Apotheker wehren sich gegen den AOK-Vorwurf des Rezeptbetrugs

Bundesweit sollen mehrere tausend Apotheken Medikamente zu Lasten der AOK abgerechnet haben, die nachweislich nicht auf dem Markt waren. Diesen Vorwurf erhebt die AOK. Nun wehrt sich die Bundesvereinigung Deutscher Apothekenverbände (ABDA): Apotheker sollen demnach die Fehler der Kassen ausbaden.

ABDA wehrt sich gegen den AOK-Vorwurf des Rezeptbetrugs

AOK vermutet bundesweiten Rezeptbetrug von Apotheken. Die Apother wehren sich gegen den Vorwurf. Foto: ABDA

Tausende Medikamente seien falsch abgerechnet worden, das gab die AOK bekannt. “Die AOK prüft derzeit die Vorfälle und wird entsprechend die zuständigen Staatsanwaltschaften einschalten”, sagte ein Sprecher des AOK-Bundesverbandes am Freitag (19. August) in Berlin. Nach Angaben der AOK seien allein im Juni mehr als 30.000 Fälle bekannt geworden, in denen Rezepte mit einem derzeit nicht am Markt befindlichen anderen Medikament bedruckt und abgerechnet wurden.

In einer Presseerklärung der ABDA heißt es: “Der AOK-Bundesverband verunsichert derzeit wider besseren Wissens die Öffentlichkeit und versucht, eigene Fehler zu kaschieren. Die AOK unterlässt es dabei sicherheitshalber erneut, das eigentliche Problem beim Namen zu nennen – die Rabattverträge. Denn seit Inkrafttreten der jüngsten Rabattverträge waren und/oder sind immer noch einige Hersteller, die von der AOK mit Zuschlägen beglückt wurden, nicht lieferfähig. Das heißt faktisch: Die Apotheke ist verpflichtet, ein Medikament abzugeben, das nicht existiert!”

DAV-Vorsitzender Fritz Becker: “Richtig ist, dass wir solche Fälle mit den Krankenkassen klären müssen. Wenn fehlerhaft dokumentiert wird, muss das korrigiert und klargestellt werden. Das ist bereits in Gesprächen zwischen AOK und DAV, aber auch durch Mitteilungen der Apothekerverbände und auch durch den Einsatz der Apothekenrechenzentren längst geklärt. Es ist und bleibt dennoch grotesk, wenn die AOK Verträge mit Herstellern abschließt, die nicht eine einzige Packung liefern können – und am Ende die Apotheken für die Folgen verantwortlich gemacht werden.”

Laut AOK könnten 30.000 Fälle von Rezeptbetrug erst der Anfang sein. “Bei den bekannt gewordenen Fällen handelt es sich möglicherweise um die Spitze eines Eisberges”, sagte ein AOK-Sprecher. “Derart falsch abgerechnete Arzneimittel fallen leider im Normalfall nicht auf. Der Stein ist jetzt nur deshalb ins Rollen gekommen, weil das aufgedruckte Medikament nachweislich noch nie am Markt verfügbar war, der Hersteller aber trotzdem Rechnungen für den gesetzlich festgelegten Großhandelsrabatt erhalten hat.”

“Aufgrund der massiven Häufung steht zu befürchten, dass eine Vielzahl von Apotheken hier bewusst und systematisch vorgegangen ist. Es liegt nahe, dass betroffene Apotheken daraus einen Nutzen ziehen, etwa durch günstigere Einkaufskonditionen oder einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen, korrekt abrechnenden Apotheken. Das kann auch strafrechtliche Relevanz haben”, sagte ein Sprecher der AOK.

1 Kommentar für “Apotheker wehren sich gegen den AOK-Vorwurf des Rezeptbetrugs”

  1. bewe28

    Hier die Stellungnahme eines Apothekers – ich finde, er hat vollkommen Recht, die Kassen gebährden sich, dabei sind die es selber, denen Therapietreue und compliance gewaltig am Gesäß vorbeigehen.

    “Nur vorweg, ich habe kein falsch bedrucktes Rezept abgeliefert, aber:
    Die Bearbeitung eines Rezeptes ist durch Rabattverträge, Packungsgrößenverordnung und zahllose Vorschriften so kompliziert geworden, dass es kaum mehr zu bewältigen ist. Zusätzlich gibt es Retaxationen, die allen Mitarbeitern im Nacken sitzen.
    Wer das als außenstehender nicht nachvollziehen kann, sollte sich einfach mal im Deutschen Apothekenportal umschauen und die sich auftuenden Abgründe genau ansehen.

    Ich mache sehr genaue Vorgaben, wie ein Rezept zu bearbeiten ist und habe ausgewähltes, hochqualifiziertes und gut bezahltes Personal. Dennoch hätte auch in meiner Apotheke das ein oder andere Rezept durchrutschen können.

    Stattdessen hatten wir sehr viele Diskussionen:
    1. neue Firma
    2. nicht lieferbar (was heißt nicht lieferbar??)
    3. warum zwischendurch nochmals eine neue Firma (preisgünstigst- Prinzip)
    4. warum Zuzahlung??

    Punkt 3, habe ich oft unterlaufen und zumindest die bisherige Firma beibehalten, damit die Compliance nicht völlig darnieder liegt, entgegen der nachdrücklichen Aufforderung der AOK mit einem der 3 preisgünstigsten zu substituieren….ich riskiere diesbezüglich hunderte Retaxationen.

    Punkt 4 ist bei den bisherigen Diskussionen kaum beachtet worden: Die AOK wirbt mit Ihrer Zuzahlungsbefreiung im Rahmen des Hausarztmodells für Monovertragspartner. Die Patienten haben sich schon dran gewöhnt seit 1-2 Jahren für dieses und jenes Präparat nichts zu bezahlen. Das ist schwer zu vermitteln und der ein oder andere Kunde hat das Rezept wieder mitgenommen. Das ist sicherlich der Hauptgrund für einige Apotheken gewesen, an diesem Punkt etwas die Schärfe aus dem Konflikt zu nehmen und einen etwas bequemeren Weg zu gehen.

    Und diese Konstellation hat die AOK natürlich mitverschuldet durch
    - Ihre Monoverträge, die nicht lieferbar sind
    - die von Ihr initiierte Packungsgrößenreform wegen der schlecht gemachten Omeprazol-Verträge
    - die Hohe Erwartungshaltung bezüglich der Zuzahlungsbefreiung im Hausarztmodell

    Rabatt, neue Firma, nicht lieferbar, zwischendurch eine Dritte, mit Zuzahlung — das ist in der Apotheke nicht vermittelbar. “

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