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Gene spielen bei der Fettspeicherung eine Rolle (shutterstock.com/Horoscope)
4. Dezember 2015

FTO-Genschalter für Adipositas entdeckt

Adipositas, umgangssprachlich als Fettleibigkeit bezeichnet, gilt heutzutage als Volkskleiden. Seit Langem ist bekannt, dass die Ursachen hierfür sehr vielfältig sein können. In vielen Fällen
spielen Lebensweise und Ernährungsgewohnheiten eine wesentliche Rolle und stehen dann auch im Fokus der Behandlungsmethoden. Seit einigen Jahren konzentrieren sich Genforscher zunehmend auch auf die Untersuchung möglicher Genfaktoren, die eine krankhafte Fettleibigkeit bedingen können. Eine Studie der TU München hat nun einen Zusammenhang zwischen der Aktivität bestimmter Gene und der
übermäßigen Speicherung von Fett im Körper hergestellt. Damit stehen wertvolle Erkenntnisse zur Verfügung, die bisher bekannte Behandlungsmöglichkeiten der Adipositas ergänzen.

Gene spielen bei der Fettspeicherung eine Rolle (shutterstock.com/Horoscope)

Gene spielen bei der Fettspeicherung eine Rolle (shutterstock.com/Horoscope)

Genetische Ursachen für Adipositas: die Münchner Studie

Ein Forscherteam der Technischen Universität München hat Ergebnisse vorgestellt, die wichtige Erkenntnisse über genetische Mechanismen formuliert, die den Fettstoffwechsel beeinflussen. Die Münchner Forscher nutzten das „Roadmap Epigenomics Project“, um diejenigen Gewebetypen zu identifizieren, in denen ein bestimmter Genombereich, der FTO-Bereich, besondere Aktivität zeigt. Denn FTO wird schon seit Längerem mit dem Auftreten von Übergewicht in Verbindung gebracht.

Ausgangspunkt der Studie war dabei die bisher gängige Hypothese, dass dieser spezielle Abschnitt im Zusammenhang mit Gehirnregionen steht, die Verhaltensweisen in Bezug auf Essgewohnheiten steuern. Tatsächlich gelang es den Forschern, im FTO-Bereich zwei Gene zu isolieren – IRX3 und IRX5 -, die im Gewebe von Risiko-Probanden aktiviert sind. Allerdings war der Wirkmechanismus ein anderer als vermutet.

Fettspeicherung durch Genaktivität

Dieses Ergebnis überraschte die Forscher besonders: Die Genveränderung beeinflusste nicht, wie zunächst vermutet, die Aktivität in bestimmten Gehirnregionen, welche das Essverhalten beeinflussen würden. Die Veränderung wirkt sich vielmehr direkt auf die
Fettzellen und ihre Vorläuferstufen aus. Sind IRX3 und IRX5 aktiv, entwickeln sich die
Vorläuferzellen zu Speicherzellen. Sie stellen die Fettverbrennung ein und speichern stattdessen
das Fett im Körper. Sind IRX3 und IRX5 dagegen inaktiv, zeigt der Organismus einen gesteigerten Stoffwechsel und Fett wird verbrannt.

Fettzellen speichern Lipide (shutterstock.com/Spectral-Design)

Fettzellen speichern Lipide (shutterstock.com/Spectral-Design)

Dieselben Ergebnisse zeigte ein Tierversuch mit Mäusen. Tiere, bei denen IRX3 und IRX5 im Gewebe deaktiviert wurden, verbrennen das Fett und nehmen selbst dann nicht zu, wenn ihre Diät einen hohen Fettanteil aufweist. Umgekehrt bedeutet das für
Patienten mit Übergewicht, das auf dieser Genveränderung beruht, dass die ungewollte Fettspeicherung nicht durch herkömmliche Therapieansätze zu beeinflussen ist.

Neue Therapien durch neue Erkenntnisse?

Die neuen Erkenntnisse wecken die Hoffnung auf neue Therapiemöglichkeiten für Menschen mit krankhaftem Übergewicht, das auf diesen Genveränderungen beruht. Denn nachdem durch die Studie ein spezifischer genetischer Mechanismus nachgewiesen werden konnte, ist eine gezielte Therapie möglich. Im Labor ist dies mit Kulturen menschlicher Fettzellen bereits gelungen: Die Deaktivierung von IRX3 und IRX5 hat zur Folge, dass
die Zellen wieder Fett verbrennen und Wärme erzeugen, anstatt neue Fettspeicher anzulegen. Die Forscher der TU München sind zudem zuversichtlich, dass die von ihnen verwendete Methodik auch bei der Erforschung weiterer Krankheitsbilder nützlich sein wird, und dass ein weiterer Schritt zur Entwicklung personalisierter Therapien getan ist.

Fettleibigkeit hat verschiedene Ursachen

Eine der Hauptursachen für starkes Übergewicht ist ein Ungleichgewicht zwischen Kalorienaufnahme und Kalorienverbrauch: Der Körper wird mit mehr Kalorien versorgt, als er tatsächlich braucht, und wandelt diese in
Fettreserven um. Dieser Mechanismus an sich ist nicht krankhaft. Er gehört zu den ursprünglichen Überlebensstrategien und ist dazu gedacht, während Zeiten guter Nahrungsversorgung einen Vorrat anzulegen, von dem der Körper während Zeiten schlechter Energieversorgung zehren kann.

Bei einem Lebensstil mit wenig körperlicher Belastung und damit auch geringem Kalorienverbrauch sorgt der Verzehr von zu viel Glukose und Fett allerdings zu einer übermäßigen Anlagerung von
Fettreserven – infolge dessen entsteht auf lange Sicht Adipositas. Bestimmte Vorerkrankungen wie Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes und weitere Störungen des Stoffwechsels können ebenfalls Übergewicht begünstigen. Schließlich kann Fettleibigkeit auch psychische Ursachen haben, indem psychischer Druck, Frustration und Stress durch übermäßige Nahrungsaufnahme kompensiert werden.

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