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20. August 2012

Ikea will Einsatz von DDR-Häftlingen als Zwangsarbeiter aufarbeiten

München (dts) – Die deutsche Niederlassung des Möbelherstellers Ikea hat konkrete Vorschläge für die Aufarbeitung des Einsatzes von DDR-Häftlingen als Zwangsarbeiter angekündigt. Zugleich erklärte das Unternehmen dem Berliner Nachrichtenportal „Die Welt“, es sei ein bedauerlicher Fehler gewesen, dass man zuvor einen Vorschlag der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG) für ein Forschungsprojekt abgelehnt habe. „Wir sind im Gespräch mit der UOKG und legen darauf auch großen Wert“, sagte eine Unternehmenssprecherin.

Erst am Montag wurde ein Brief bekannt, aus dem hervorgeht, dass Ikea den Vorstoß der UOKG zunächst abgelehnt hatte. „Doch leider müssen auch wir Prioritäten setzen“, heißt es in dem Schreiben der Ikea-Abteilung für Public Relations vom 10. August 2012, das der „Welt“ vorliegt: „Es gäbe vieles zu unterstützen, doch alles ist selbst uns nicht möglich.“ Offenbar war der UOKG-Vorschlag nicht einmal ernsthaft gelesen worden. „Mit einem solchen Formbrief zu antworten, zeigt, dass es Ikea nicht ernst ist mit der Aufarbeitung der Vorwürfe“, kritisierte der Leiter des Berliner Stasi-Museums, Jörg Drieselmann, im Gespräch mit der „Welt“. Drieselmann: „Die UOKG ist nicht irgendein Verband, sie vertritt sehr viele Betroffene. Sie haben sich angeboten, bei der Aufklärung behilflich zu sein. Ich hätte erwartet, dass Ikea cleverer reagiert.“ Kritik übte auch Jens Thiemke, der 1986 nach einem Fluchtversuch über die Berliner Mauer festgenommen und dann unter anderem im DDR-Gefängnis Naumburg eingesperrt wurde. „Arbeitsschutz war in Naumburg ein Fremdwort“, erinnert er sich heute. Sein Gefühl über das mangelnde Interesse an einer Aufarbeitung sei „Erschrecken, einfach nur Erschrecken“. Er hatte bereits Kontakt mit den von Ikea beauftragten Wirtschaftsprüfern, fühlte sich jedoch nicht ernst genommen: „Die haben mich gefragt, ob ich sicher wüsste, dass ich für Ikea arbeiten musste. Als ob da Firmenschilder im Produktionssaal gehangen hätten.“ In einem Brief an Ernst & Young, der der „Welt“ vorliegt, hatte Thiemke bereits vor Wochen seine Sicht der Dinge dargelegt: „Tatsache ist, dass Ikea in der DDR produzieren ließ. Dies wurde weder in östlichen noch westlichen Medien publik gemacht. Das war mit Sicherheit eine Vertragsbedingung beider Seiten.“ Thiemke fragte sich zudem, wie eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ein zeithistorisches Verbrechen aufklären solle – und was das koste. „Es wäre doch viel günstiger gewesen, ein Forschungsprojekt wie das der UOKG zu unterstützen.“ Seiner Ansicht nach könne der Konzern sich nicht darauf berufen, nichts gewusst zu haben von Zwangsarbeit in DDR-Gefängnissen: „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.“

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