Die endgültige Entscheidung über eine Überstellung des früheren bosnischen Serbenführers Radovan Karadzic an das UN-Kriegsverbrechertribunal kann nicht vor Donnerstag gefällt werden. Der Einspruch gegen die Überstellung von Karadzics Anwalt Svetozar Vujacic sei noch nicht eingegangen, sagte die Sprecherin des serbischen Kriegsverbrechergerichts in Belgrad. Vujacic hatte den Einspruch am Freitag kurz vor Ablauf der Frist und damit kurz vor dem Wochenende eingereicht. Der Anwalt hatte angekündigt, er wolle die Überstellung seines Mandanten hinauszögern.
Sobald das Belgrader Gericht den Einspruch erhält, soll es binnen drei Tagen eine endgültige Entscheidung über Karadzics Überstellung an das Haager Tribunal fällen. Eine entsprechende Anordnung müsste noch vom serbischen Justizministerium abgesegnet werden. Eine Verzögerung der Überstellung könnte Karadzics in Bosnien lebender Familie Gelegenheit geben, ihre Pässe zurückzubekommen und ihn in Serbien noch einmal zu besuchen.
Karadzic war 1996 untergetaucht, nachdem ihn das UN-Tribunal wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt hatte. Der einstige bosnische Serbenführer und sein noch flüchtiger, früherer Militärchef Ratko Mladic werden für Gräueltaten während des Bosnien-Krieges (1992-1995) verantwortlich gemacht, unter anderem für das Massaker von Srebrenica mit rund 8000 Opfern.