Nach den ausgedehnten Protesten gegen das Ergebnis der Präsidentschaftswahl im Iran hat ein ranghoher geistlicher Würdenträger die Festnahme der Oppositionsführer gefordert. Der Vorsitzende des einflussreichen Wächterrats, Ahmad Dschannati, warf den Oppositionspolitikern Mehdi Karubi und Mir-Hossein Mussawi in seiner im Rundfunk übertragenen Freitagspredigt vor, Aufstände angestachelt und einen Umsturz angestrebt zu haben, der "zu der größten Tyrannei" geführt hätte. Ihre Festnahme sei "das erste, was zu tun ist".
Der Wächterrat untersteht direkt dem geistlichen Oberhaupt Irans, Ali Chamenei. Dieser hat den Wahlsieg von Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad bereits anerkannt.
Jeder im Iran wisse, dass die Oppositionsführer in ein Komplott und Korruption verwickelt seien, sagte Dschannati in seiner Predigt. Nur wegen ihrer Beziehungen zu "bestimmten" mächtigen Persönlichkeiten seien sie noch auf freiem Fuß.
Die Präsidentschaftskandidaten Karubi und Mussawi hatten nach der Wahl am 12. Juni den Sieg Ahmadinedschads angezweifelt. Nach dem Urnengang gab es massenhafte Proteste gegen das Wahlergebnis, bei Ausschreitungen starben mindestens 30 Menschen. Mindestens 4000 Menschen wurden wegen der Teilnahme an Demonstrationen festgenommen, etwa 300 sitzen weiter in Haft.