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Eisbecher und Kaffee aus Mitropa-Tassen bietet Silvio Müller in einer umgebauten Tankstelle an. Der 38-Jährige betreibt in Lauta seit Juli 2006 eine «Mokkamilcheisbar» auf einem Gelände, wo jahrelang Autofahrer an den Zapfsäulen tankten oder ihre Wagen waschen ließen. Anstelle von Super und Diesel gibt es hier jetzt Ananas- oder Erdbeereisbecher. Nicht nur der ehemalige Kassenraum wurde umgebaut, auch die Autowaschanlage ist nicht mehr als solche zu erkennen. Sie ist mittlerweile zu einem Partyraum geworden.
«Es war für mich eine echte Herausforderung, die Tankstelle in ein Café umzubauen», beschreibt Müller, der seit 2003 außerdem einen Schokoladenladen in der Stadt besitzt. Auf die Idee für das Eiscafé habe ihn der ehemalige Tankstellenpächter gebracht, dem das Grundstück gehört. «Er fragte mich, ob ich die Gebäude mieten will, nachdem der Mineralölkonzern seinen Rückzug angekündigt hatte.« Müller nahm das Angebot an.
Wenn Tankstellen wegen ausbleibender Rentabilität schließen, etablierten sich auf dem Gelände indes in der Regel keine anderen Geschäfte, merkt der Geschäftsführer des Fachverbandes des Tankstellengewerbes Mitteldeutschland, Jochen Wilhelm, an. «Voraussetzung dafür wäre, dass das Grundstück nicht dem Mineralölkonzern gehört, sondern Privateigentum ist.» Dies gebe es nur selten.
Normal ist es Wilhelm zufolge eher, dass Tankstellen brach liegenbleiben, wenn sie geschlossen werden. Natürlich sei auch in Sachsen die Zahl der Stationen rückläufig - vor allem in den Grenzregionen. Hier sind die Tankstellenpächter durch die benachbarte Konkurrenz aus Polen und Tschechien in ihrer Existenz bedroht. Dort werde das Superbenzin wegen der günstigeren Besteuerung durchschnittlich um fast 20 Cent billiger angeboten. Dieser Preiskampf belaste speziell freie Tankstellen, sagt Wilhelm. Diese böten zwar ihren Sprit durchschnittlich einen Cent pro Liter billiger an als die großen Konzernfilialen, fänden aber aufgrund der Grenznähe immer weniger Kunden. Wie viele Tankstellen aufgrund des Tanktourismus bedroht seien, darüber verfügt indes weder der Verband noch Sachsens Wirtschaftsministerium eine Statistik. Auch die Gesamtzahl der Tankstellen lasse sich nicht beziffern. Dafür sei der Markt zu dynamisch, begründet Wilhelm.
Angesichts der Entwicklung der Kraftstoffpreise ist es wenig überraschend, dass sächsische Autofahrer jenseits der Grenze nach günstigem Sprit suchen. Im Zeitraum zwischen 2000 und 2007 legte der Preis für Normal- und Superbenzin im Freistaat nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Kamenz um rund ein Drittel zu. Für Dieselkraftstoff hätten die Autofahrer 2007 im Schnitt 46 Prozent mehr ausgeben müssen als sieben Jahre zuvor. Für die Stichprobe erheben die Statistiker jährlich die Angebote von mehr als 100 Tankstellen in 20 sächsischen Gemeinden.
In Regionen und Städte, in denen Tankstellen mit niedrigen Preisen um Marktanteile und Kunden kämpfen, tanken Autofahrer zumindest für eine kurze Zeit deutlich günstiger. »Mehrfach täglich orientieren sich die Tankstellenbetreiber bei den Preisen an den Konkurrenten in ihrer unmittelbaren Nähe», erklärt Falk Fohoff vom ADAC Sachsen. Stündlich ändere sich dabei der Spritpreis in vielen, parallel bestehenden Kraftstoffmärkten. Er können sogar je nach Stadtteil variieren.
Der jüngste Preisvergleich des Automobilclubs in zwanzig deutschen Städten wies für Dresden durchaus günstige Kraftstoffpreise aus. Mit rund 1,40 Euro für Superbenzin lag die sächsische Hauptstadt im Februar den Angaben zufolge sogar an der Spitze. In Hannover und Kassel sei der Sprit hingegen um mehr als drei Cent teurer. «Diese monatliche Erhebung ist jedoch nur eine Momentaufnahme», betont Fohoff. Die Preise seien weder für eine ganze Stadt noch für eine gesamte Region repräsentativ. Noch im Januar habe Dresden mit knapp 1,41 Euro für Superbenzin zu den teuersten Städten gezählt.

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