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11. November 2009 Druckversion | Kommentar schreiben

GESUNDHEIT

Nebenwirkungen der Schweinegrippe-Impfung: Panik vor Pandemrix

Nebenwirkungen der Schweinegrippe-Impfung: Panik vor Pandemrix
© pixelio Bild vergrößern
So schnell wie die Schweingrippe verbreitet sich auch die Angst rund um die Neue Grippe. Das Impfchaos, der milder Verlauf der Seuche, die angeblichen Zwei-Klassen-Impfstoffe und die Panikmache verursachen wiederum Verunsicherung. Der Bürger muss nun als medizinischer Laie entscheiden.





Der Virologe Alexander Kekulé hat die Bundesregierung für die Organisationsprobleme bei den Schweinegrippeimpfungen scharf kritisiert. In der SWR-Talkshow "2+Leif" sagte Kekulé am Montagabend: "Es ist ein Problem des föderalen Systems. Viele Köche, jeder macht was anderes, viele reden durcheinander. Ich glaube der neue Gesundheitsminister hat schon den ersten richtigen Schritt gemacht, indem er jetzt so eine Art Konsensus-Konferenz der Landesminister einberufen hat. Ich glaube was Ähnliches wäre auch sinnvoll auf wissenschaftlicher Ebene, weil die Behörden ganz unterschiedliche Einschätzungen haben."

Einig sind sich die Virologen darin, dass es eine zweite, gefährlichere Ausbreitungswelle der Schweinegrippe geben könnte. Die Frage wird dabei sein, ob sich das Virus verändert. Verbündet sich der Schweinegrippeerreger mit dem der saisonalen Influenza – oder gar mit dem Erreger der Vogelgrippe? „Die Gefahr ist nach wie vor die Mutation“, sagt die WHOVorsitzende Margaret Chan. Die frühzeitige Impfung der Bevölkerung gehört neben hygienischen Maßnahmen und der antiviralen Therapie zu den wichtigsten Maßnahmen für die Prävention und Bekämpfung der Influenza. Allerdings ist in den vergangenen Wochen immer wieder die Frage gestellt worden: Warum impfen, wenn das Virus doch so harmlos ist?

Seit Ende Oktober verabreichen Gesundheitsämter und Ärzte den Schweinegrippeimpfstoff Pandemrix in Deutschland. Nicht alle möglichen Nebenwirkungen konnten bis zu seiner Fertigstellung ermittelt werden, Untersuchungen für Schwangere und Kinder fehlen bislang ganz. Einige behaupten zwar stur, dass der Stoff sicher ist, allerdings bleiben viele Bürger skeptisch. Selbst das Bundesministerium für Gesundheit muss zugeben: "Es ist nicht auszuschließen, dass bei breiter Anwendung eines neuen Arzneimittels bislang unerwartete Nebenwirkungen entdeckt werden."

Die Erfassung und Bewertung von Nebenwirkungsmeldungen soll daher während der Anwendung der Influenza A/H1N1-Impfstoffe stattfinden. Werden wir damit also zu Versuchskaninchen gemacht? Kopfschmerz, Schüttelfrost, Lähmungserscheinungen – diese Nebenwirkungen befürchten Experten bei der massenhaften Verabreichung des Impfstoffs gegen das H1N1-Virus, die Schweinegrippe. Grippeähnliche Symptome sollen bei einem bis zehn von 100 Geimpften vorkommen. Bei einem bis zehn von 1000 Geimpften traten Schwindel, Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Schlaflosigkeit oder Schläfrigkeit auf. Laut Hersteller GlaxoSmithKline aus Dresden reichen die konkreten Nebenwirkungen des Impfstoffs Pandemrix von "Hautrötung" bis hin zu "Allergischen Reaktionen, die zu einem gefährlichen Blutdruckabfall führen, der unbehandelt zu einem Schock führen können.

Die schwedische Arzneimittelbehörde "Lädemedelverket" meldet 37 Patienten mit allergischen Reaktionen direkt nach der Impfung. In mehreren Fällen galten die Symptome als „schwerwiegend“. Fünf Patienten zeigten eine anaphylaktische Reaktion, die sogar zum Kreislaufzusammenbruch mit Todesfolge führen könnte. Auch in Deutschland meldete ein Arzt aus Düsseldorf, dass einer seiner Patienten als Folge der Impfung einen Kreislaufkollapps erlitt. Nach der Impfung können allergische Reaktionen auftreten, die in seltenen Fällen zum Schock führen. Ärzte wissen, dass dies möglich ist, und haben für solche Fälle die Mittel für eine Notfallbehandlung bereitstehen.

Eine sehr seltene Nebenwirkung von Pandemrix ist das "Guillian-Barré-Syndrom". Vom Rückenmark aus entzünden sich dabei Nerven, was später zu Lähmungen führen kann. Bei Personen mit bekannter Hühnereiweißallergie soll die Indikation einer Impfung gegen die Schweinegrippe sehr sorgfältig gestellt werden. Wird eine Entscheidung für die Impfung getroffen, sollte die Impfung nur durchgeführt werden, wenn die technischen und medikamentösen Voraussetzungen für eine Notfallbehandlung gegeben sind und der Impfling für mindestens eine Stunde nachbeobachtet wird. Bei Menschen, die schwer allergisch auf Ovalbumin (ein Protein im Eiweiß), Formaldehyd, Gentamicinsulfat (ein Antibiotikum) oder Natriumdeoxycholat reagieren, soll Pandemrix nicht verabreicht werden.

Nach Impfungen gab es auch fünf Todesfälle, über die ebenfalls die schwedische Arzneimittelbehörde berichtete. Die Betroffenen waren in Zeiträumen zwischen zwölf Stunden und vier Tagen nach ihrem Impftermin verstorben. Die Schwedische Arzneimittelbehörde weist aber darauf hin, dass es keinen kausale Zusammenhang von Tod und Impfung geben muss. Alle Opfer – bei einem ist dies inzwischen bestätigt – seien höchstwahrscheinlich an ihrer chronischen Grunderkrankung gestorben, das zeitliche Zusammentreffen mit der Impfung war nur Zufall.

Nach derzeitigem Kenntnisstand besteht bei schwangeren Frauen die erhöhte Gefahr eines schweren Verlaufs der Erkrankung. Das Risiko steigt mit der Dauer der Schwangerschaft. Deshalb raten Experten zur Impfung. Der Nutzen einer Impfung gegen die Neue Grippe („Schweinegrippe“) muss sehr sorgfältig
gegen mögliche Risiken abgewogen werden. Wegen des im Laufe der Schwangerschaft zunehmenden Risikos wird eine Impfung ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel empfohlen.

Es gibt bislang keine Hinweise darauf, dass Impfstoffe mit Verstärkersubstanzen die Schwangere oder das Ungeborene schädigen. Allerdings gibt es auch keine Studien an Schwangeren, die eine Sicherheit des Impfstoffs bestätigen könnten. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt derzeit, dass Schwangere bis zum Vorliegen weiterer Daten mit einem Spaltimpfstoff ohne Verstärkersubstanzen geimpft werden sollten. Ist eine Schwangere, zum Beispiel durch eine chronische Krankheit,
zusätzlich gefährdet und steht kein anderer Impfstoff zur Verfügung, kann eine Schwangere auch mit einem Impfstoff mit Wirkverstärkern geimpft werden. Die Entscheidung hierüber muss die Schwangere mit ihrem Arzt treffen.

Die Zahl der Grippeinfektionen steigt und damit auch die Impfbereitschaft.
Die Deutschen sind dennoch sehr zurückhaltend, was die Impfung gegen die so genannte Schweinegrippe angeht. 14 Prozent geben im aktuellen ARD-DeutschlandTrend an, sich "auf jeden Fall" gegen das H1N1-Virus impfen zu lassen. Das sind zwei Prozentpunkte mehr als im Vormonat. Zwanzig Prozent wollen dies "wahrscheinlich" tun. Eine Mehrheit von 62 Prozent der Deutschen will sich "wahrscheinlich nicht" (31 Prozent) oder "auf gar keinen Fall" (ebenfalls 31 Prozent) impfen lassen.

Verwirrung und Unbehagen begleiten die Angst rund um diese Grippe und Ärzte können nicht helfen. Von Fachleuten will der Laie klare Antworten. Doch die Mediziner waren vom ersten Tag an uneins über das Verhältnis von Nutzen und Nebenwirkungen. Kinderärzte plädierten erst gegen, dann für die Vorbeugung mit der Nadel. Ja was denn nun? Die Entscheidung nimmt uns offensichtlich niemand ab. Ist diese Grippe so dramatisch? Auf diese Frage gibt es zu wenig Hilfestellung.

Letztendlich liegt es in der persönlichen Verantwortung des "mündigen Bürgers", sich über die Aspekte der Krankheit und der Impfung zu informieren und eine Entscheidung zu treffen.

Pandemrix ist ein Impfstoff gegen Schweinegrippe H1N1, der per Injektion verabreicht, also gespritzt wird. Der Impfstoff Pandemrix enthält Teile des Schweinegrippe-Virus H1N1. Fachleute sprechen vom Grippevirusstamm "A/California/7/2009 (H1N1)v-like strain (X-179A)". Durch die abgetöteteten Virus-Teile lernt der Körper, wie er mit Abwehrkörpern gegen die Viren vorgehen kann. So entsteht eine Immunität gegen die Schweinegrippe - trifft der Körper später auf das "scharfe" Virus, kann er sofort reagieren und den Erreger bekämpfen. Dieser Impfstoff mit Wirkverstärkern steht allen Bürgern zur Verfügung. Experten hatten angemerkt, dass diese Verstärkerstoffe (Adjuvanzien) das Risiko von Nebenwirkungen erhöhen könnten.



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