Die erzkonservative Pius-Bruderschaft ist auch nach der Versöhnungsgeste von Papst Benedikt XVI. weiter auf Konfrontationskurs zur katholischen Kirche. Für Ende Juni sei ein Termin für Priesterweihen angesetzt, die den vier abtrünnigen Bischöfen der traditionalistischen Gemeinschaft eigentlich verboten sind, berichtet der "Kölner Stadt-Anzeiger".
Am vergangenen Sonntag, und damit nach Rücknahme seiner Exkommunikation durch den Papst, habe der Obere der Bruderschaft, der Schweizer Bischof Bernherd Fellay, angehenden Geistlichen im Priesterseminar der Pius-Bruderschaft in Zaitzkofen bei Regensburg so genannte "niedere Weihen" gespendet, heißt es in dem Zeitungsbericht. Fellay ist wie die anderen abtrünnigen Bischöfe der Pius-Bruderschaft weiter suspendiert und darf keine Sakramente spenden.
Der Trierer Kirchenrechtler Peter Krämer wertete die Weihehandlung im Gespräch mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger" als Zeichen dafür, dass die abtrünnigen Bischöfe nicht gewillt seien, sich der Disziplin der katholischen Kirche zu unterwerfen. Insbesondere die geplante Priesterweihe sei ein Akt "bewussten Ungehorsams gegen die Autorität des Papstes".
Nach Einschätzung des Münsteraner Kirchenrechtlers Klaus Lüdicke geht es den Traditionalisten nicht um eine Wiedereingliederung in die katholische Kirche. Mit der Rücknahme der Exkommunikation durch den Papst hätten diese vielmehr den Wegfall eines Hemmnisses erreicht, der ihnen den Zulauf ultrakonservativer Katholiken bisher erschwert habe.
Besonders die Aufhebung der Exkommunikation von dem Holocaust-Leugner Richard Williamson als einen der vier abtrünnigen Bischöfe der Priesterbruderschaft St. Pius X. hatte in der Öffentlichkeit aber auch innerhalb der katholischen Kirche für Protest gesorgt. Der Vatikan hatte am Mittwoch betont, die Bruderschaft müsse die Lehren der Päpste anerkennen, bevor ihre Mitglieder vollständig rehabilitiert werden könnten.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßte die Reaktion des Vatikans. "Ich glaube, dass die eindeutige Aufforderung des Vatikans ein wichtiges und auch ein gutes Signal ist", sagte Merkel in Berlin.
Der Zentralrat der Juden in Deutschland forderte eine vollständige Abkehr des Vatikan von der Bruderschaft. Mit einer Kirche, der auch die umstrittene Priesterbruderschaft angehöre, könne es keinen partnerschaftlichen Dialog geben, sagte der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, dem "Handelsblatt".