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Laut aktuellen Zahlen aus der Datenbank des Paul-Ehrlich-Instituts sollen bisher 59 Fälle der Schweinegrippe Impfung mit dem Impfstoff Pandemrix an Nebenwirkungen gemeldet worden sein. Dies wird in verschiedenen Quellen ersichtlich.Bei 7 Impflingen wurden Hinweise auf eine allergische Reaktion bzw. Überempfindlichkeitsreaktion gemeldet. In 2 Fällen wurde eine anaphylaktische Reaktion berichtet:
Bei einem 37-jährigen Mann kam es 12 Minuten nach Impfung mit Pandemrix zu einer anaphylaktischen/anaphylaktoiden Reaktion, die unverzüglich vom impfenden Arzt behandelt wurde. Nach ca. 90 Minuten war der Patient wiederhergestellt. Bei dem Patienten liegt offenbar keine Hühnereiweißallergie vor, auch wurden andere Allergien oder Erkrankungen verneint. Eine allergologische Testung wurde empfohlen. Der ursächliche Zusammenhang zwischen der unerwünschten Reaktion und der Impfung wird vom PEI mit "wahrscheinlich" bewertet.
Eine 22-jährige Frau entwickelte nach der Impfung einen prä-kollaptischen Zustand und ein Ganzkörpererythem. Es wurde die Verdachtsdiagnose "Anaphylaktische Reaktion" gestellt. Nach 30 Minuten kam es zum Abklingen der Symptomatik. Bislang wurden weder Angaben zu eventuell bestehenden Allergien und Erkrankungen noch zur Therapie der Reaktion mitgeteilt. Wegen der lückenhaften Datenlage ist eine Bewertung des ursächlichen Zusammenhanges derzeit nicht möglich. Das PEI hat um weitere Angaben gebeten.
Pandemrix wird auf Hühnereiern hergestellt. Bei Personen mit bekannter Hühnereiweißallergie soll die Indikation einer Impfung gegen die Schweinegrippe sehr sorgfältig gestellt werden. Wird eine Entscheidung für die Impfung getroffen, sollte die Impfung nur durchgeführt werden, wenn die technischen und medikamentösen Voraussetzungen für eine Notfallbehandlung gegeben sind und der Impfling für mindestens eine Stunde beobachtet wird.
Darüber hinaus enthält der Impfstoff auch Formaldehyd, Gentamicinsulfat und Natriumdeoxycholat. Eine IgE-vermittelte, akute allergische Reaktion auf eine Impfung bei nachgewiesener Formaldehyd-Typ-I-Allergie ist bisher nicht bekannt geworden. Die weitaus größere Bedeutung hat Formaldehyd als Kontaktallergen1. Gentamicinsulfat ist nur in Spuren im Impfstoff enthalten. Als Bestandteil in Impfstoffen stellen diese ein eher niedriges allergisches Risiko dar, wenngleich für viele dieser Stoffe Typ-I-Allergien beschrieben sind, so dass bei tatsächlichem Vorliegen einer solchen Sensibilisierung durchaus Vorsicht geboten ist. Wichtig ist festzustellen, dass in Impfstoffen keine Penicillin- und Cephalosporin-Antibiotika enthalten sind, gegen die relativ häufig Typ-I-Allergien bestehen. Diesbezügliche Allergiker können daher unbedenklich geimpft werden.
Insgesamt sind anaphylaktische Reaktionen nach Impfungen ausgesprochen seltene Ereignisse mit einer geschätzten Häufigkeit zwischen 1-10 Fällen pro 1.000.000 Dosen2. Klinisch nicht zu unterscheiden sind anaphylaktoide Reaktionen nach Impfung. Allerdings wird die Histaminausschüttung aus Mastzellen bei der anaphylaktoiden Reaktion nicht durch IgE-Antikörper ausgelöst. Anaphylaktoide Reaktionen sind ausgesprochen selten. Eine versehentliche intravasale Impfung ist zu vermeiden3.
Kreislaufkollaps, Synkopen und Angstreaktionen in Zusammenhang mit der Impfung
Zwei Fälle eines Kreislaufkollaps bzw. einer Synkope wurden berichtet. Bei einer weiteren Meldung, die zunächst durch Dritte als "anaphylaktische Reaktion" bei einer 39jährige Frau gemeldet wurde, ergab die Recherche des PEI, dass es sich offenbar um eine Angstreaktion bzw. ein Hyperventilationssyndrom gehandelt hat. Bei Kollapszuständen während oder nach der Impfung handelt es sich häufig um vasovagale oder emotional ausgelöste Symptome, die nicht mit dem Impfstoff, wohl aber mit der Impfsituation in Zusammenhang stehen. Die Impflinge sind vor der Impfung oft aufgeregt und neigen zu Kreislaufregulationsstörungen.
Neurologische Reaktionen
Dem Paul-Ehrlich-Institut wurden zwei Verdachtsfälle einer neurologischen Reaktion in zeitlichem Zusammenhang mit der Impfung von Pandemrix gemeldet.
Ein Mann wurde am 28.10.2009 mit Pandemrix geimpft (Impfstelle linker Arm: M. deltoideus). Es wurde berichtet, dass in der Nacht vom 29. auf den 30.10.2009 Schmerzen, Taubheitsgefühl und Kribbeln im Bereich des Versorgungsgebietes des Nervus ulnaris am rechten Arm auftraten. Die klinische Diagnose einer Neuritis des Nervus ulnaris wurde gestellt. Wenige Tage später war der Patient beschwerdefrei. Eine elektrophysiologische Untersuchung (NLG, F-Welle) hatte am 30.10.2009 einen unauffälligen Befund ergeben, eine Verlaufskontrolle ist geplant.
In der Literatur sind Einzelfallberichte von Mononeuritis nach verschiedenen Impfstoffen4 5 beschrieben, ein ursächlicher Zusammenhang ist jedoch nicht belegt. Im vorliegenden Fall trat die Reaktion am nicht-geimpften Arm etwa 1,5 Tage nach der Impfung auf. Differentialdiagnostisch ist in diesem Fall insbesondere an eine Druckläsion des N. ulnaris zu denken (z.B. im Bereich des Sulcus ulnaris), zumal die Symptomatik über Nacht auftrat und lagebedingte Druckläsionen peripherer Nerven nicht selten zunächst unbemerkt im Schlaf auftreten. Weitere Informationen sind angefordert.
Bei einer 44-jährigen Frau kam es 10 Minuten nach der Impfung am 28.10.2009 zu einem Kreislaufkollaps, der innerhalb von 30 Minuten stabilisiert werden konnte. Außerdem entwickelte sie ein Exanthem an den Unterarmen und am selben Tag einen akuten Schub einer bestehenden seronegativen chronischen Polyarthritis, der mit nicht-steroidalen Antirheumatika behandelt wird.
Derzeit kann ein immunpathogenetischer Zusammenhang mit der Impfung weder ausgeschlossen noch bestätigt werden.
Quelle: Paul Ehrlich Institut
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