Versteckte Nanopartikel als Waffe gegen den Krebs
Im Kampf gegen Krebs arbeiten amerikanische Forscher in San Diego derzeit an einer neuen Therapie mit sogenannten Nanopartikeln: Die winzigen Partikel sollen Krebsmedikamente zielgenau bei Tumorzellen abladen. Das besondere daran: Amerikanische Wissenschaftler haben die Nanopartikel mit einer Hülle überzogen, die von roten Blutkörperchen stammt. Dadurch schützen sie die Partikel vor der körpereigenen Immunabwehr.
Schon länger arbeiten Forscher an Nanotherapien gegen Krebs: Erst kürzlich wurde bekannt, dass Wissenschaftler Nanopartikel mit Antikörpern ausgestattet haben, die sich gezielt an Krebszellen heften, berichtete Prof. Jürgen Borlak vom Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin in Hannover. Erste Tests bei Brustkrebs zeigten eine gute Verträglichkeit. Die Nanopartikel werden dabei mit Hilfe von Antikörpern zu den Krebszellen transportiert. Jetzt gibt es in Amerika einen ganz neuen Ansatz: In winzigen Nanopartikeln schleusen Forscher Medikamente ein, die aus der Hülle von roten Blutkörperchen bestehen. Diese winzig kleinen Teilchen waren nach der Injektion drei Tage lang im Blut von Mäusen nachweisbar und damit deutlich länger als bei künstlichen Hüllen. Die Ergebnisse der Studie wurde im Fachjournal „Proceedings of the National Academy of Sciences“.
Sie sind nur einige Nanometer groß, doch ihre Wirkung ist enorm: Nanopartikel. Die Forschung untersucht die Nanotechnologie schon seit Jahren und versucht diese im Kampf gegen Krebs einzusetzen. Das neue an der aktuellen US-Studie: Es ist offenbar der erste Versuch, Medikamente mit synthetischen Nanopartikel und einer natürlichen Zellmembran zu kombinieren. Medikamente, die sich selbstständig ihren Weg durch den Körper bahnen und am Ziel angekommen genau die kranken Zellen angreifen – das ist seit jeher der Traum der Mediziner und Pharmazeuten. Denn meist lösen Medikamente, die sich im ganzen Körper verteilen schwere Nebenwirkungen aus und können deshalb vielfach nur in geringer Konzentration verabreicht werden. Doch dann gibt es bei den Partikeln immer noch das Problem, dass sie das Immunsystem als Fremdkörper erkennt und in kürzester Zeit vernichtet. Eine lebenswichtiger Schutzmechanismus des menschlichen Organismus. Durch die Hülle aus roten Blutkörperchen kann das Immunsystem die Nanopartikel dann nicht mehr von den eigenen Blutzellen unterscheiden. Das lassen die Tests mit Mäusen schließen.
Allerdings ist bei ersten Studienergebnissen und Tierversuchen Vorsicht geboten: Die Ergebnisse müssen noch auf den Menschen übertragen werden. Die Hüllen der Nanopartikel müssten ganz indiviuell aus roten Blutkörperchen eines an Krebs erkrankten Patienten hergestellt werden, um Abstoßungsreaktionen zu verhindern. Die US-Forscher haben offenbar vor, die Partikel zusätzlich mit Bindeproteinen zu versehen, die nur an Oberflächenstrukturen von Krebszellen andocken können. Das Ziel: Tumorzellen werden gezielt zerstört, gesunde Zellen bleiben verschont und die Nebenwirkungen sind Minimal. „Das ist der erste Versuch, eine Verabreichungsform für Medikamente zu entwickeln, die eine natürliche Zellmembran mit einem synthetischen Nanopartikel kombiniert“, so Studienleiter Liangfang Zhang von der University of California in San Diego.
Nano stammt vom altgriechischen Wort „nanos“ für Zwerg: Ein Nanometer ist der milliardste Teil eines Meters. Die Partikel sind so demnach so klein, dass sie in die Blutbahn des menschlichen Körpers passen.







